George Friedman von Stratfor erklärt auf skandalöse Art US-Politik.

(Anmerkung: Das Video war gesperrt, aber ich bin sicher, dass dieses neue hochgeladene Video mit dem Originalvideo übereinstimmt.)

Das Video alleine spricht schon Bände. Dieses kürzere Video mit Untertiteln enthält brisante Redepassagen von George Friedman, die er nach dem Vortrag gegenüber Fragen der anwesenden Reporter geäußert hat. Hier eine Auswahl: Alle Redepassagen des obigen 13 Minuten-Videoausschnitts sind bei den Nachdenkseiten transkribiert:

"Das Hauptinteresse der US-Außenpolitik während des letzten Jahrhunderts, im Ersten und Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Weil vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann. Unser Hauptinteresse galt sicherzustellen, dass dieser Fall nicht eintritt.

Der Punkt bei der ganzen Sache ist, dass die USA ein „Cordon Sanitaire“, ein Sicherheitsgürtel um Russland herum aufbauen. Und Russland weiß es. (...) Russland glaubt, die USA beabsichtigen die Russische Förderation zu zerschlagen. Ich denke, wir wollen sie nicht töten, sondern sie nur etwas verletzen bzw. Schaden zufügen. Jedenfalls sind wir jetzt zurück zum alten Spiel.  (...)

Der beste Weg die feindliche Flotte zu besiegen ist zu verhindern, dass diese gebaut wird. Der Weg, den die Briten gegangen sind, um sicherzustellen, dass keine europäische Macht die Flotte bauen konnte, ist, dass die Europäer einander bekämpften. Die Politik, die ich empfehlen würde, ist die, die Ronald Reagan angewendet hat, im Iran und Irak. Er unterstützte beide Kriegsseiten, sodass sie gegeneinander kämpften (Iran-Irak-Krieg 1980-88) und nicht gegen uns. Es war zynisch, es war nicht moralisch vertretbar, aber es funktionierte.

Und das ist der Punkt: die Vereinigten Staaten sind nicht in der Lage, ganz Eurasien zu okkupieren. In dem Moment, wo unsere Stiefel den Boden berühren, sind wir demographisch zahlenmäßig unterlegen. (...)

Die Taktik der Präventivschläge beabsichtigt nicht den Feind zu besiegen, sondern sie verfolgt das Ziel den Feind aus der Balance zu bringen. Das versuchen wir in jedem Krieg, wie z. B. in Afghanistan, dort brachten wir Al Qaida aus der Balance. Das Problem das wir haben, seid wir so jung und dumm sind, ist, dass wir die Feinde aus der Balance bringen, anstatt zu sagen, „wir haben den Job gut gemacht, lasst uns nach Hause gehen“, sagen wir: „Mann das war aber leicht, lasst uns hier noch eine Demokratie aufbauen“. Das war der Moment unserer Geistesschwäche, von der wir befallen wurden. (...) 

Deshalb starten die USA solche Maßnahmen, wie über sie kürzlich General Hodges, der für Blamagen bekannt ist, gesprochen hat, und zwar über Eingreiftruppen in Rumänien, Bulgarien, Polen und den baltischen Staaten. Damit begründet man das Intermarum („Zwischenmeer-Land“) das Territorium zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee, diese Konzept arbeitete Pilsudski aus. Und das ist die von der USA bevorzugte Lösung.

Und die Sache auf die wir keine Antwort parat haben, ist die Frage, was wird Deutschland in dieser Situation unternehmen. Die reale unbekannte Variable in Europa sind die Deutschen, wenn die USA diesen Sicherheitsgürtel aufbauen, nicht in der Ukraine, sondern zu dem Westen und der Einfluss der Russen in der Ukraine wird schwinden – wir wissen nicht wie die deutsche Haltung ausfallen wird.

Deutschland befindet sich in einer sehr eigenartigen Lage. Der ehemalige Bundeskanzler G. Schröder ist im Aufsichtsrat von Gazprom. Die Deutschen haben ein sehr komplexes Verhältnis zu den Russen. Die Deutschen wissen selbst nicht was sie tun sollen. Sie müssen ihre Waren exportieren, die Russen können ihnen ihre Waren abnehmen. Andererseits verlieren sie die Freihandelszone, die sie brauchen um andere Sachen aufzubauen. Für die USA ist das Hauptziel, dass russisches Kapital, russische Technologien… ich meine deutsches Kapital und deutsche Technologien und die russischen Rohstoff Ressourcen und die russische Arbeitskraft zu einer einzigartigen Kombination verbinden, die die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern versuchen.

Also wie kann man das erreichen, dass diese deutsch-russische Kombination verhindert wird? Die USA ist bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu schlagen: das ist die Linie zwischen dem Baltikum und dem Schwarzen Meer. Für die Russen ist die entscheidende Frage, dass die Ukraine ein neutrales Land wird, kein prowestliches. Weißrussland ist hier eine andere Frage. Nun, wer mir eine Antwort darauf geben kann, was die Deutschen in dieser Situation tun werden, der kann mir auch sagen, wie die nächsten 20 Jahre Geschichte aussehen werden."

Die Aussagen sind der Hammer und jeder Deutsch würde damit als Verschwörungstheoretiker und Antiamerikaner fertig gemacht werden. George Friedman ist jedoch nicht irgendwer, sondern seit der Gründung im Jahr 1996 Chef von Stratfor. Dazu Wikipedia (Stichwort Stratfor):

Strategic Forecasting, Inc (abgekürzt Stratfor) ist ein führender privater US-amerikanischer Think Tank, der Analysen, Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik, zu Sicherheitsfragen und Konflikten in aller Welt anbietet. Täglich veröffentlicht Stratfor Länderberichte sowie Analysen zu globalen und regionalen Konflikten. In seinen Analysen bringt Stratfor nicht nur Hintergrundinformationen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern erschließt aus den Bestimmungsfaktoren einer Konfliktlage oder Ländersituation zugleich Voraussagen für die Zukunft. Dabei sind die Berichte knapp und präzise und kommen schnell auf den „Punkt“. Die Stratfor-Analysen sind als tiefgründige Schnellinformation zu Konfliktlagen, regionalen und Länderentwicklungen nicht nur in journalistischen Kreisen beliebt, sondern auch bei Regierungsinstitutionen, Firmen und wissenschaftlichen Instituten.

Das Expertenteam des Unternehmens besteht aus Politologen, Ökonomen und Sicherheitsexperten, die über „Informanten“ in allen Regionen der Welt verfügen und eine Vielzahl von allgemein zugänglichen und verdeckten Quellen auswerten. Das US-Magazin Barron’s bezeichnete Stratfor aufgrund seiner nachrichtendienstlichen Eigenschaften 2010 als „Schatten-CIA“.

Stratfor wurde 1996 von dem Politologen und Sicherheitsexperten George Friedman gegründet. Den Firmensitz legte er bewusst nicht in die US-Hauptstadt Washington, sondern in die zu politischen Querelen distanziertere Universitätsstadt und Wirtschaftsmetropole Austin/Texas. Friedman ist Präsident und CEO des Unternehmens.

Schon 1904 hatte Halford Mackinder die Heartland-Theorie entwickelt, nach der die eurasische Landmasse („Heartland“) dank der immer besseren Transportmöglichkeiten über Land zum Schlüssel der Weltherrschaft werden würde und deshalb von den Briten kontrolliert werden müsste. Deshalb genoss unser Führer bei Teilen der angloamerikanischen Finanzelite großes Wohlwollen, weil man die aggressiven Töne gegenüber Russland gerne sah. Krieg auf dem Kontinent war schon immer gut für England. Der Oberhammer ist, dass nun George Friedman in seinem Interview glasklar sagte, es wird wieder Kriege in Europa geben und es sei schon seit 1914 immer das amerikanische Ziel gewesen ein Bündnis zwischen Russen und Deutschen zu verhindern.

Hallo? Es ist ja schon bezeichnend, wenn Herr Brzezinski, einer der einflussreichsten Geostrategen der USA und Vertrauter Obamas in seinem Buch „The great Chessboard“ die Verhinderung eines einheitlichen Wirtschaftsraums auf dem eurasischen Kontinent aktuell als primäres Ziel formuliert. Was Herr Friedmann macht, ist jedoch noch eine Nummer krasser, weil er Dinge sagt und banalisiert, die in Deutschland weit jenseits der hiesigen Denkverbote liegen.

Hier noch der Link zum ganzen Video von George Friedman mit dem Vortrag und der Fragerunde an ihn. Außerdem noch ein Link zu einem Artikel über das Video von der Propagandaschau.

US-Putsch in Brasilien?

Momentan wird in Brasilien gegen die gewählte linke Präsidentin Dilma Roussef demonstriert. (Siehe: DWN) Angeblich gab es in ihrem Umfeld Korruption. Leider ist das in ärmeren Ländern relativ normal, weshalb auch westliche Konzerne „schwarze Kassen“ besitzen, um dort überhaupt Geschäfte zu machen. Doch die internationalen Medienkonzerne skandalisieren so etwas nur dann gerne, wenn man unbeliebte Politiker loswerden will.

Immerhin gehört Brasilien zu den BRICS-Staaten und ist damit Verbündeter von Russland und China. Man sollte also genauer hinschauen.

Unabhängig anderer Regierungsstürze, die den USA immer angelastet werden, ist der Umsturz in Brasilien kaum bekannt, da die offizielle Rolle der USA in Brasilien anscheinend unbedeutend war. In Brasilien wurde jedoch 1964 der linksgerichtete Präsident João Goulart mit einem Militärputsch abgesetzt. Erst nach 21 Jahren Militärdiktatur kehrte das Land 1985 zur Demokratie zurück.

Der Skandal dabei, wie RP.Online berichtete:

"... hat eine unabhängige Forschergruppe herausgefunden, dass die damalige US-Regierung unter Präsident Lyndon B. Johnson bereit war, diesen Putsch mit allen Kräften zu unterstützen. Entsprechende Dokumente veröffentlichte das National Security Archive mit Sitz in Washington am Mittwoch zum 40. Jahrestag des Putsches. In einer der Akten weist Johnson Berater an, alles zu tun und zu allem Nötigen bereit zu sein, um den Erfolg des Staatsstreichs sicherzustellen."

Das ist unglaublich und war mir auch nicht bekannt, obwohl die Verfechter der Demokratie, die USA, hier in einem sehr großem Land bereit waren, einen Putsch mitzutragen, um aus geopolitischen Erwägungen eine unliebsame Regierung zu stürzen und lieber eine Militärjunta zu installieren.

Aber vermutlich reiht sich das ein in die spekulativen Punkte, weshalb John F. Kennedy sterben musste und inwieweit der Geheimdienst bei dem US-Putsch schon geholfen hatte, lässt sich wohl auch nicht (leicht) herausfinden.

Schockierend ist die Tatsache, dass auch Brasilien schon ein gebranntes Kind ist und es sich um ein weiteres Beispiel handelt von einem Land, was wegen den Vorkämpfern der Demokratie noch immer eine junge und damit unstabilere Demokratie hat. Immerhin dauerte die Diktatur bis ins Jahr 1985.

Was macht man mit den 8 Millionen Russen?

Es ist schon eine Weile her, dass ein Telefonat von Frau Timoschenko öffentlich würde. Dieses galt als Skandal, weil sie sich mit einem Kiewer Abgeordneten unterhielt und dort sagte, dass sie Putin auch persönlich eine Kugel in den Kopf jagen würde.

Die noch brisantere Stelle, wo sie sagte, dass man die 8 Millionen Ostukrainer mit einer Atombombe beseitigen müsste, nannte sie allerdings manipuliert.

Gehen wir davon aus, dass diese Stelle wirklich manipuliert wurde, liegt der eigentliche Skandal jedoch ganz woanders. In dem Gespräch sagt der ukrainische Abgeordnete ohne irgendwelche Manipulation in bester Qualität, dass man nun das Problem hätte 8 Millionen Russen noch im Land zu haben, die zu einer Art Paria würden. Dem wird nicht widersprochen von Timoschenko. Daraus geht hervor, dass es in oligarchischen Kreisen in Kiew durchaus allgemein gängige Überzeugung ist, die russischsprachigen Ostukrainer – und zwar die kompletten 8 Millionen (!) als Russen anzusehen.

In diesem Sinne ist es auch kein Wunder, wenn ukrainische Politiker immer von Russen in der Ukraine spricht. Für große Teile der ukrainischen Bevölkerung sind die russischstämmigen Ostukrainer halt ein Unglück in der ukrainischen Geschichte, weil man das ganze Territorium der Ukraine alleine für ukrainischstämmige Ukrainer haben will und es die Russen am besten zu vertreiben gilt. Und was macht die deutsche Politik – wegschauen!

 

Alice Bota beleidigt wieder den Verstand ihrer Leser und hetzt für den Krieg

Alice Bota, eine der schlimmsten Oberhetzerinnen antwortet in der Zeit angeblich auf einen realen Leserbrief und „hinterfragt ihre Fehler“. Zu Beginn schriebt sie: „B. [der Leser] schreibt auf eine Art, die ich schon von anderen wütenden Lesern kenne, die ihre Kritik genauer zu fassen versuchen.“ Der Leser schrieb ihr auch: „Wie man [also sie] denn dazu komme, zu behaupten, Russland sei an dem Krieg in der Ostukraine beteiligt? Dafür gebe es keine Beweise!“

Ich habe hier einmal auf ihren Propagandaartikel geantwortet (in roter Farbe), wobei ich ihre einleitenden Absätze weggelassen habe:

Meist schreibe ich [Alice Bota] dann ausführlich zurück [den erbosten Lesern]. (Bei den vielen Leserbriefen kann eine Person das nicht leisten „meist zurückzuschreiben“ also über 50% davon wirklich zu beantworten. Für wie dumm hält sie die Leser?) Doch, schreibe ich, es gibt Beweise. Es gibt russische Soldaten, die in Särgen aus der Ukraine heimkehren und Angehörige, die nicht über ihr Leid sprechen dürfen. Es gibt russische NGOs wie das Komitee der Soldatenmütter, die versuchen nachzuvollziehen, wie viele ihrer Söhne bereits in der Ukraine starben. (Diese russischen NGOs sitzen in Russland, sind aber nicht russisch. Das Komitee der Soldatenmütter von Sankt Petersburg, welches immer zitiert wird, wurde nach offiziellen Zahlen von den USA finanziert und wird es sicher noch immer. Leider werden die Zahlen nicht mehr veröffentlicht. Dass es tote Russen gibt, ist auch normal, die Frage ist, ob es Soldaten gab, die in der Ukraine regulär kämpfen mussten. Da gibt es KEINE Beweise.) Es gibt Berichte wie die des Armament Research Services, die russische (aber nicht nur die) Waffen in der Ostukraine identifizieren konnten – mal davon abgesehen, dass man sich doch zumindest wundern muss, wenn binnen weniger Monate ein Haufen lokaler Aufständischer eine professionellere Armee hat als die Ukraine. (Russische und ukrainische Waffen sind baugleich! Für offizielle russiche Soldaten gibt es noch immer keine Beweise, was Frau Bota hier andeuten will! Es handelt sich auch nicht um einen Haufen lokaler Aufständischer. Die Ostukraine hat 8 Millionen Menschen, die für ihre Heimat kämpfen und zudem vor dem Krieg die wirtschaftlich stärkste Region der Ukraine war – auch bezüglich der Stahlproduktion. Ein gut funktionierendes Ruhrgebiet! Militärische Expertise haben sie auch, weil eben viele Janukowitsch-Anhänger aus Armee und Berkut sich für diese Seite entschieden. Ein ziemlich großer Haufen!) Es gibt russische Geheimdienstler wie Igor Girkin, der an der Annexion der Krim und dem Krieg in der Ostukraine beteiligt war und offen über die russische Taktik spricht. (Ja, das ist wahr, wobei er nie reguläre Truppen im Donbass erwähnt hat, denn das war eine Medienlüge. Zudem bestreitet niemand die Beteiligung der Russen in der Krim. Putin hat neulich noch einmal gesagt, dass sie die Krim besetzt haben, weil bei einer Vorabumfrage schon 75% der Krimbevölkerung nicht unter dem rechtsextremistischen Regime in Kiew leben wollten und sich bedroht fühlten. Die hiesigen Medien haben hier auch wieder gelogen und Putin eine rein imperiale Annexion unterstellt.)
Die Liste ließe sich fortsetzen. (Dann könnte man noch mehr widerlegen. Sie schreiben doch schon ihre besten Argumente.) Was es nicht gibt, ist das Eingeständnis des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass er Krieg führt in der Ostukraine. (Stimmt!) Und für viele scheint nichts wahr sein zu können, was Putin nicht bestätigt hat. (Blanke Diffamierung!)
Doch selbst das Wort des russischen Präsidenten scheint nicht immer zu reichen. Es ist Monate her, dass Putin zugegeben hatte, seine Soldaten auf die Krim geschickt zu haben. Aber erst jetzt, als er im russischen Fernsehen wieder davon sprach, scheint diese Tatsache in Deutschland wirklich anzukommen. (Die Sachlage hat sich nie verändert und jeder weiß, dass die russischen Soldaten die Eingliederung der Krim an Russland unterstützt haben. Immerhin gab es deshalb keine Toten, aber das sind Maßstäbe, die Frau Bota nicht interessieren. Es handelt sich auch um eine Separation, weil unstrittig die Krimbewohner mit großer Mehrheit zu Russland wollten. Laut GfK-Umfrage sind heute 93% der Krimbewohner glücklich über diesen Schritt. Der Westen bewertet halt nach Gusto entweder die nationale Integrität oder das Selbstbestimmungsrecht der Völker als wichtiger – wie es passt. Länder zerschlagen mit Kriegslügen ist okay, wie in Jugoslawien, aber nicht zu Lasten des Westens, wenn die zerschlagenen Gebiete sich nach Osten wenden könnten. Den Südosseten und Abchasiern wird die Unabhängigkeit verweigert, obwohl sie von ihrem eigenen Land schon mit Hilfe der Amerikaner angegriffen wurden. Der Georgienkrieg wurde mit Saakaschwili vom Westen angezettelt und begonnen!)
 Noch vor einem Jahr wurden Medien, vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender, dafür angegangen, wenn sie das Offensichtliche aussprachen: dass russische Soldaten die Krim besetzten. Jeder, der vor Ort war, konnte es selbst sehen, ja, konnte sogar die Soldaten danach fragen. Aber das zu sagen oder zu schreiben? Unterstellungen! Vorurteile! Lügen! (Beweise für offizielles russisches Militär gibt es halt nicht. Das haben die UNO und auch das ukrainische Außenministerium zugeben müssen. Heulen sie weiter! Keiner bezweifelt informelle Unterstützung, wie sie auf Seiten Kiews auch vom Westen geleistet wird.)
Der Leserbrief von Herrn B. steht für ein Phänomen, nämlich die Flucht in die Relativierung, wenn es um die russische Politik geht. Mal speist sich diese Relativierung aus der Angst, dass Deutschland in diesen Krieg hineingezogen werden könnte, mal aus dem Misstrauen gegenüber den Amerikanern, mal aus dem Hass auf sie; mal aus einer empfundenen historischen Schuld gegenüber Russland (die paradoxerweise selten den Ukrainern, Belarussen und Polen zuteil wird); mal aus Europaverachtung; mal aus Überforderung. (Die Farbrevolutionen sind real, die 5 Milliarden Dollar Destabilisieungsgeld für die Ukraine sind real, das Landgrabbing in der Ukraine ist real, die Jagd nach dem ukrainischen Gas und den Pipelines ist real. Das Misstrauen gegen die Amerikaner ist hingegen durchaus begründet. Erwähnen sie doch mal Brzezinski, der ein enger Vertrauter Obamas ist. Unterstellen sie nicht ihren Kritikern falsche Motive!)
Die Relativierung ist ein Prinzip der Propaganda, wie sie das russische Fernsehen betreibt, die aber längst über die russischen Grenzen hinaus wirkt. Alles muss denkbar und auch das Offensichtliche nur als eine Variante von vielen erscheinen. Indem viele unterschiedliche, sich widersprechende Versionen gestreut werden (beim Abschuss der MH-17 hieß es, die Passagiere seien schon tot gewesen, von Amerikanern getötet, oder: der Abschuss habe Putin gegolten) (unterschiedliche Theorien werden nicht nur vom Osten gestreut. Die Aufklärung von MH17 wird vom Westen verschleiert und die Hauptverdächtigen (Ukrainer) sind bei der „Aufklärung dabei und haben das Recht alle Ergebnisse, die es vielleicht einmal geben wird, als geheim zu klassifizieren. Hätte man inkriminierendes Material gegen Russland, wäre das schon lange ausgepackt. Thematisieren sie doch BITTE MH17 – und zwar richtig. Fragen sie, warum die Aufklärung sabotiert wird!); indem falsche Fakten so oft wiederholt werden, bis sie richtig erscheinen (zum Beispiel, dass amerikanische Blackwater-Söldner in der Ukraine kämpfen. Bislang ist das Unsinn) (Diese „Propaganda“ hat es bis auf Phönix geschafft. Blackwater heißt übrigens inzwischen Academi und es ist einfach ein Fakt, dass die USA inzwischen mehr Söldner von privaten Kriegsdienstleistern im Ausland im Einsatz haben als reguläre Soldaten. Academi-Söldner bilden inzwischen sogar schon reguläres US-Militär aus. Da der US-Präsident ein generelles Kriegsmandat gegen den Terror besitzt und nur wenige Leute eingeweiht werden müssen, wenn man keine regulären Truppen sendet, ist die Wahrscheinlichkeit für Blackwater/Academi-Söldner extrem hoch. Zumal die BILD-Zeitung diese Meldung anfangs auch einmal raushaute. Das kam also nicht nur von Prorussen und False-Flag-Operationen gehören nun einmal zum Geschäft. Zum Beispiel der Beschuss von Mariupol, wo 30 Menschen umkamen und den man als Grund von neuen Sanktionen nehmen wollte, richt nach False-flag. Die Rakete kam aus der 40Kilometer entfernten Stellung der Separatisten, aber 10 Kilometer entfernt in der gleichen Richtung saßen ukrainisch Kräfte und es gibt noch ein Video von einem Soldaten mit US-Akzent, der nicht gefilmt werden will am Einschlagsort. Das stinkt also schon etwas.) Bis nichts mehr wahr ist und alles möglich scheint, wie der Autor Peter Pomerantsev sein Buch über das moderne Russland nannte (Nothing is true and everything is possible, 2014). (So funktioniert Propaganda überall. Man denke an die Facebook-Warrior aus England, die bewusst Propaganda ins Netz stellen sollen. Echte Trolle sind nur im Westen belegt.)
Pomerantsev, der viele Jahre als TV-Produzent in Russland gearbeitet hat, beschreibt unter anderem, wie der Kreml sowjetische Kontrolle mit westlicher Unterhaltung synthetisiert und so die Gesellschaft betäubt. "Die Nachrichten sind der Weihrauch, mit denen wir Putins Handlungen preisen, ihn zum Präsidenten machen", zitiert Pomarentsev russische TV-Produzenten. Pomarentsev zeigt, dass TV-Nachrichten in Russland nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben, sie sind Unterhaltung. (Informieren unsere Nachrichten? Nein! In Russland sind 86% der Leute für Putin – so falsch sollte er seinen Job nicht machen, da eine auf Lügen aufgebaute Propaganda doch weniger Zustimmung erzeugen würden. Die 86% stammen nicht aus der russischen Propaganda! Außerdem gibt es LEIDER ein gutes Argument für eine kontrollierte Presse – wer den Markt für alle Medien öffnet wird mit US-Propaganda von der Macht weg-farb-revolutioniert!)
Die russischen Staatsmedien machen keine Fehler, sie lügen. Und wenn sie dabei ertappt werden, wie bei der Geschichte von dem Kind, das angeblich von ukrainischen Faschisten gekreuzigt wurde, dann scheren sie sich nicht drum. (Tolle Story – die kam sicher nicht im Ausland bei Russia Today! Berichten sie doch öfter mal von unseren Kriegslügen oder von Kiew gesichteten Panzerkolonnen, die sich immer wieder in Luft aufgelöst haben.)
Wenn ich auf Leserbriefe wie den von Herrn B. antworte, wenn ich auf seine Argumente eingehe, widerlege, was falsch ist, äußere, was mir richtig erscheint, dann entwickelt sich oft ein interessanter Dialog. (Lüge: Zum Dialog gehören immer zwei Menschen! Sie antworten jedoch unilateral mit Propaganda!) Und meistens wird deutlich, dass Misstrauen und Unbehagen die treibenden Kräfte sind: Was für Interessen verfolgen die Amerikaner in der Ukraine? Fühlt Russland sich nicht zu recht bedroht? Haben die Europäer nicht Fehler gemacht? (Fehler ist zu harmlos: Haben wir Europäer uns schuldig gemacht! Es ist keine Nachlässigkeit!)
 Über all das kann man reden, über all das muss man schreiben. (Tun sie jedoch nie!) Aber die Wahrheit, dieses große, so oft missbrauchte Wort, sie liegt nicht immer in der Mitte. (Wohl wahr – der Westen hat den Konflikt angezettelt. Stand halt auf der Obama-Agenda, die ihm seine Macher zugesteckt haben.) Man kommt ihr nicht durch Relativierung auf die Spur. (Sie relativieren aber immer sehr gut. Folter der USA, die schlimmer ist als in der DDR – überall passiert das halt. Der Westen begann den Georgienkrieg – kein Kommentar. Poroschenko will Kinder in den Keller bomben – egal, er ist unser Friedensengel. Janzenjuk schreibt von Subhumans – ist uns egal. Herr McCain redet von Low-Live-Scum, also von minderwertigem Leben – ignorieren wir. Im Relativieren sind unsere Medien doch super!) Alles in die Welt zu posaunen, auch den gröbsten Unsinn, jeden zu Wort kommen zu lassen, ohne einzuordnen, wer in welcher Funktion spricht und warum – das ist nicht Pluralität, sondern die Illusion davon. (Wenn es aus Kiew gemeldet wird, ist es trotzdem eine Tatsache, genauso wie alle NATO-Informationen. Zeit, das Gehirn anzuschalten, ist immer erst nach dem Krieg und dann muss das auch gleich wieder weg von der Tagesordnung – siehe Irakkrieg. Verantwortung null, es waren alles immer nur Fehler!)
Der ganze Artikel ist bei Zeit-Online zu finden.