10 Gebote = 279 Wörter, US-Unabhängigkeitserklärung = 300 Wörtern, EU-Verordnung über Import von Karamellbonbons = 25911 Wörter

Roland Düringer ist Österreicher und hat im Jahr 2011 einen Beitrag im ORF gemacht, der dazu geführt hat, dass er zensiert wurde. Offiziell liegen die Rechte bei der Rebeat-Film GmbH, was komisch ist, da es im öffentlich, rechtlichen Fernsehen lief. Keine Ahnung, ob das in Österreich normal ist, dass Fernseh-Satiresendungen vom ORF auf Youtube nicht erscheinen dürfen.

Ich vermute das Problem ist der Aufruf zur Wahlverweigerung, mir gefällt jedoch sein Denkansatz, dass das Problem in der Länge der Gesetzestexte zu suchen ist:

Würden die Grundsätzlichen Inhalte von EU-Verträgen, wie dem Vertrag von Lissabon, verständlich geschrieben sein, dann würden ihn die abstimmenden Politiker verstehen, worüber sie abstimmen und eventuell könnten sogar die Bürger verstehen, worum es eigentlich geht. Momentan hat man eher das Gefühl die klare Linie wird in Hinterzimmern ausgehandelt, dann wird das Projekt auf tausenden Seiten juristisch codiert und die Politiker nicken das dann ab, wenn die Zusammenfassung des Ganzen wieder hübsch aussieht. Grade wenn es um die wichtigsten Gesetze für die Zukunft geht, Lissabon Vertrag (quasi die neue europäische Verfassung), TTIP, CETA, Bankenrettungen, Rettungsschirme, usw. ist das Vertragswerk so lange, dass sogar die indirekte Demokratie, weil kein Abgeordneter die Verträge versteht. Gesetze müssen jedoch immer kurz, verbindlich und einfach sein und sämliche Zusatzregelungen dürfen den kurzen verbindlichen Gesetzen nicht widersprechen. So wäre eine Kontrolle da, die Politiker könnten wieder ihr Mandat wahrnehmen und informierte Bürger könnten für eine lebendige politsche Kultur sorgen und die Demokratie lebendig halten.

Hier noch der Text  von Roland Düringer:

Wir sind wütend! – Roland Düringers Schlusswort in Dorfers Donnerstalk am 8.12.2011

"Ich darf ihnen mal kurz erklären, wer wir eigentlich sind. Wir sind keine Radikalen, wir sind keine Anarchisten, wir sind keine Linken und wir sind natürlich auch keine Rechten. Wir sind keine wirklich Armen und wir sind keine wirklich Reichen. Wir sind die sogenannte Mittelschicht. Das heißt, wir sind all jene, die durch unsere Arbeit, die allerdings sehr sehr selten unsere Berufung ist, und durch unseren Konsumwahn das System sehr sehr lange am Leben erhalten haben und dabei aber gar nicht so glücklich sind. – Manchmal sogar ein bisschen depressiv. Wir sind all jene, die nicht verstehen können, dass die 10 Gebote Gottes aus 279 Wörtern bestehen, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aus 300 Wörtern und die EU-Verordnung über den Import von Karamellbonbons aus 25911 Wörtern bestehen muss. Wir sind alle jene Systemtrotteln, die es schon langsam satt haben im Hamsterrad zu laufen und all jenen, die vom System fest profitieren, den Deppen zu machen. Wir sind, ja wir sind fast ein bisschen wütend. Ganz einfach deswegen, weil wir angelogen werden und das ständig; und keiner unserer Politiker den Mut hat und die Eier endlich aufzustehen und die Wahrheit zu sagen, dass uns nämlich das Wasser schon langsam bis zum Hals steht. Und alle Systeme in einem künstlichen Wachkoma gehalten werden. Wir sind wütend, ziemlich wütend, weil diese Politmarionetten offenbar ihre Aufgabe vergessen haben, nämlich uns, der Gemeinschaft zu dienen und nicht gemeinsam mit Banken und Konzernen über das Volk zu herrschen. Und wir sind auch wütend, weil in der zweiten Reihe schon wieder die braunen Verführer warten und sich die Dummen greifen werden. Nur wir, wir sind keine Dummen. Wir sind einfach nur wütend! Weil es in diesem Land keine Pressefreiheit gibt, ja, und wir von abhängigen Medien entweder mit geistigem Müll oder mit Falschinformationen zugeschissen werden. Wir sind wirklich wütend, weil unsere Kinder; die haben kein Bildungssystem, die haben ein Ausbildungssystem! Und dieses Ausbildungssystem wird sie in genau dieselben Hamsterräder hineintreiben in denen wir schon atemlos einem Herzkasperl entgegenhurten. Wir sind wütend! Wir sind wütend, weil wir nicht am Ende unserer Tage an medizinischen Geräten angeschlossen vergiftet dahinvegetieren wollen, um der Pharmaindustrie und dem Bruttoinlandsprodukt zu dienen. Wir sind wütend, weil wir endlich aufwachen. Weil wir merken, dass wir Spielroboter gehalten wurden; und den Maschinen dienen. In Wirklichkeit sind wir freie Individuen. Mir haben einen Geist und eine Seele und wir sind wirklich sehr sehr wütend und wir sind mehr, als ihr glaubt. Und wir sind die, die nicht mehr unsere Stimmen in Urnen werfen werden. Wir werden sie behalten, damit wir schreiben können: Wir sind wütend, [weiter zusammen mit Publikum] wir sind wütend, wir sind wütend, … Ende."

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