Gregor Gysis Vorhersage der Euro-Krise

Angesichts der Euro-Krise hat Gregor Gysi am 23.  April 1998 im Bundestag als Sprecher der PDS schon alle Folgen der Währungsunion mit dem Euro, wie er damals geplant und umgesetzt werden sollte (und später auch wurde), vorhergesehen!

Die komplette Rede im Video:

Hier ein paar besonders wichtige Auszüge aus seiner Rede, die man sich gut anschauen kann, weil sie nur gut 16 Minuten lang ist:

"Das heißt, wir wollen den Export Deutschlands erhöhen und damit die Industrie in Portugal, Spanien und anderen Ländern schwächen. Die werden verostdeutscht, weil sie diesem Export nicht standhalten können. Das ist eines der Probleme, das zu einer weiteren Spaltung innerhalb Europas führt. (…) der Reichtum in diesem Europa wachsen wird, aber in immer weniger Händen liegen wird. (…) Mit der Demokratiefrage hängt übrigens auch zusammen, dass Finanz- und Geldpolitik kaum noch möglich sein werden. Die Zuständigkeit hierfür wird an die Europäische Zentralbank abgegeben. Sie wird dadurch anonymisiert. Damit wird erreicht, dass sich die Regierungen herausreden können, indem sie es auf die Bank schieben, und erklären können, dass sie keine politischen Spielräume haben, weil die Europäische Zentralbank bestimmte Vorgaben gemacht hat. Wer europäische Integration will, muss europäische Angleichungsprozesse einleiten. Dazu würde gehören, die Steuern zu harmonisieren, die Löhne und Preise anzugleichen und auch soziale, ökologische und juristische Standards anzugleichen. (…) Wenn Sie das alles politisch nicht leisten und statt dessen sagen, wir führen eine Einheitswährung ein, um die Angleichungsprozesse zu erzwingen, dann sagen Sie damit doch nichts anderes, als dass Sie ganz bewusst Lohnwettbewerb, also in Wirklichkeit, Lohndumping und Kostendumping, organisieren wollen. Den größten Vorteil hat immer derjenige mit den niedrigsten Steuern, den niedrigsten Löhnen, den niedrigsten Preisen und den niedrigsten ökologischen, juristischen und sozialen Standards; dieser wird sich durchsetzen. Das führt zu einem Europa des Dumpings, des Abbaus nach unten. Wer so etwas organisiert, der – das behaupte ich – organisiert nicht nur Sozial- und Lohnabbau, sondern er organisiert auch zunehmenden Rassismus. Das mag nicht bewusst geschehen, aber es wird die Folge sein. (…) Wer aber die Angleichung über die Währung erzwingt, der erzwingt eine Angleichung nach unten mit all ihren katastrophalen sozialen Folgen."
Sinkende Löhne, kaputte Wirtschaft in Südeuropa, soziale Katastrophen, mehr Hass und Vorurteile bei breiten Teilen der Bevölkerung, alternativlose Politik aus ökonomischen Sachzwängen, Vorgaben der nicht gewählten Zentralbank (Troika/Institutionen), Vergrößerung der Spaltung zwischen Arm und Reich (Spitzenreiter Griechenland), Zweifel an der Demokratie… –> ALLES ist eingetreten!!!

Das Schlimmste ist, dass diejenigen, die so etwas prognostiziert haben und hohen Sachverstand bewiesen, auch heute noch vom Mainstream als inkompetent hingestellt werden. Varoufakis, der griechische Finanzminister, der damals schon vor dem Euro für Griechenland warnte, wird zum Beispiel als komplett inkompetent und verrückt dargestellt und von einem Martin Schulz quasi als Hampelmann tituliert, mit dem man ja wirklich nicht argumentieren kann. Unglaublich!

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