Sascha Lobo mit pseudo-wissenschaftlichen Erkenntnissen

Bezahlt von der GEZ und aktuell sehr prominent in der ZDF-Mediathek platziert, die den Vorteil bietet, an einem normalen, smarten Fernseher ohne Werbung zu laufen, findet man die „Dokumentation“ über Propaganda von Sascha Lobo. Was kann man bei dieser Dokumentation lernen?

(NICHTS, außer dass Sascha Lobo vielleicht etwas selbstverliebt ist und selber gern Propaganda macht.)

Sascha Lobo hat sieben umtriebige Blogger eingeladen, von denen einer aus der Reihe fällt, da er AfD-Inhalte postet. Sie machen eine Reihe von „Experimenten“ mit. Leider ist die Aussagekraft dieser Experimente fast null.

Er ist in einem ehemaligen Funkhaus der DDR, womit man das Thema Propaganda gleich zu Beginn noch einmal mit der DDR verbinden kann. Diese wird als böses Beipspiel in der BRD noch gebraucht.

Herr Lobo will zuerst beweisen, dass es den Effekt gibt, dass Menschen im Internet zu doof sind und das glauben, was die meisten Likes hat. Dies gelingt ihm nicht richtig (der Effekt zeigt sich nur in sehr geringem Umfang) und die Fragen von ihm sind selber schon höchst manipulativ gewählt. Man erkennt die Absicht, auf das richtige Ergebnis kommen zu wollen. Direkt im Anschluss wird dann erklärt, dass die enorme Popularität der AfD im Internet auf diesem psychologischen Phänomen beruht. Die AfD ist nämlich die Partei die am meisten im Netz vertreten ist, obgleich die CDU ein Vielfaches an Mitgliedern hat. Vielleicht gibt es einfach nicht genug Menschen, die noch im Netz für die Politik der großen Parteien einstehen wollen, aber das wird nicht gesagt. Das offensichtliche Ziel von Herrn Lobo ist es, Internetzensur den Weg zu bereiten und die Legitimation von demokratischen Entscheidungen zu untergraben, indem man das Volk als dumm darstellt. Generell sind die Aussagen der Blogger, meisten Aussagen, die Herrn Lobo zu 100% zustimmen. Lediglich der AfD-Blogger widerspricht mal und wird als negatives Beispiel gezeigt. Alle Teilnehmer zeigen aber keinerlei Zeichen von politischer oder geschichtlicher Bildung oder Reflektion. Sie sollen Prototypen einer dummen und leichtgläubigen Internetcommunity darstellen und erfüllen perfekt diesen Zweck.

Als nächsten Effekt zeigt Herr Lobo den Teilnehmern Bilder mit teils kuriosen Artikeln. Sehr überraschen ist es natürlich, dass sich die Teilnehmer am besten die kuriosen Artikel merken und auch hier die Regel „Sex sells“ gilt. Der Artikel mit einer halbnackten Frau (Badeanzug), die 500 Leberflecken hat, wird als besonders einprägsam wahrgenommen. Außerdem ein Artikel über vernachlässigte Kinder. Das Schlimme ist, dass solche Artikel besonders geklickt werden, weil man mehr erfahren will. Wieder kommt direkt danach die Erziehung, indem man den Teilnehmern zeigt, wie eine rechtsradikale Seite eine Karikatur mit Merker und Anis Amri (Berlin-Weihnachtsmarkt-Attentäter) im LKW zeigt.

Rationalität und Logik bleiben laut der Doku auf der Strecke, konstatiert man dann in der Doku und liefert natürlich gleich Fake-Beispiele.

Nun wird es besonders kurios: Die Probanden sollen nun bei ihnen unbekannten und kuriosen Meldungen entscheiden, ob Meldungen einen wahren Kern haben oder nicht. Sie können dabei nur raten, da kritische Recherche eben nicht erwünscht ist, sondern wirklich nur bloßes RATEN. Man macht also einen Versuch und fordert dazu auf, den Wahrheitsgehalt von Meldungen zu erraten und stellt dann fest, dass die Teilnehmer den Wahrheitsgehalt von Meldungen erraten!!! Um den Zuschauer, der dies als absurd erkennt, wird als Beispiel für gutgläubige Leser von Fakenews der Fall in Amerika gezeigt. Dort hatte jemand die Pizzagate-Geschichte für wahr gehalten und bewaffnet in die Pizzeria eingedrungen, wo er den Pädophilen-Ring vermutete. Sascha Lobos Fazit im belehrenden Ton danach besagt auch, dass durch die eben getroffenen Entscheidungen der Probanden nach dem Bauchgefühlt, der Manipulation Tür und Tor geöffnet sei.

Was hat man nun gelernt? Eigentlich nichts! Im normalen Alltag finden wir Geschichten im Netz. Sind diese Geschichten nur kurios aber unpolitisch, dann ist es auch nicht so schlimm, wenn man die glaubt. Sollten diese Geschichten unsere Wahrnehmung fesseln und unser Weltbild ändern, dann prüft man diese Geschichte einfach nach und sieht, ob auch andere Seiten (die man kennt) davon berichten und was der wahre Kern ist. Landet man auch einer Seite mit Schadsoftware, dann spielt man das System neu auf, usw.

Weiter geht es damit, dass der Computer uns mit den Daten besser kennt als unsere guten Freunde. Bei einer Abfrage, die den Computer favorisiert, stimmt dies. Es stimmt auch, dass Donald Trumps Wahlkampfteam personalisierte Werbung benutzt hat, aber ist das neu?

Danach zeigt Herr Lobo, wie Propaganda wirklich geht. Er mischt verschiedene Themen. Homöopathie, berechtigte Kritik an Einwanderung, die durch Meinungsfreiheit gedeckt ist, eine Theorie einer hohlen Erde, das Anzünden von Flüchtlingsheimen und Homöopathie, wenngleich er hinzufügt, das sei nicht das Gleiche, doch der gedankliche Connex ist natürlich hergestellt, wie jeder echte Propagandakenner sofort bestätigen würde.

Als Höhepunkt sucht Herr Lobo das „Gespräch“ mit dem Volk. Wie üblich sucht Herr Lobo sich als aufrechter Journalist Menschen aus dem extrem rechten Milieu, die sich schlecht artikulieren können, um sich selber zu erhöhen.  Man schneidet auch noch die Aussagen der Interviewpartner, doch trotzdem wurde der Sachverhalt, was Herr Lobo gemacht hat, ziemlich deutlich: Statt einem offenen Dialog hat Herr Lobo ein schlechtes Bild eines blonden Mädchens inmitten von einfachen indischen Frauen mitgenommen, welches Erika Steinbach gepostet hatte, um vor Überfremdung zu warnen in Deutschland. Natürlich ist das Bild ein dummes Propagandabild von extrem Rechten und eben einer Frau Erika Steinbach, die nun bekanntlicherweise schon vor dem Boom der Social-Media mit rechten Äußerungen angeeckt ist. Statt nun also wie behauptet ein offenes Gespräch mit anderen Menschen auf der Straße zu suchen, die Pegida-Sympathisanten sind, hat Herr Lobo eine halbe Stunde auf seine armen Interviewpartner eingeredet und wollte lediglich eine Bestätigung dafür, dass die Kommunikation im Internet nicht frei von Propaganda ist. Seine Hoffnung, jemand würde vehement für das dumme Bild nun wirklich stark Partei ergreifen, wurde nicht erfüllt. Inhaltlich redet er über kein politisches Thema, sondern nutzt die Rechten nur, um sich selber als Lichtgestalt von ihnen distanzieren zu können.

Es fehlt am Ende auch nicht der Appell, näher zusammenzurücken, was man mit sozialen Medien auch machen könne. Glaubt nur dem Mainstream!

Was wurde aus der Sendung nicht klar: Die eigentlichen massiven Propagandamethoden wurden nicht aufgezeigt. Stattdessen war die Dokumentation selber reine Propaganda. Tiefergehend findet man Propagandamethoden natürlich bei Rainer Mausfeld, im Falle der Kriegspropaganda auch bei Daniele Ganser oder bei Elisabeth Wehling, wobei letztere auch den Mainstream verteidigen will, aber einige Propagandamethoden trotzdem gut beschreibt.

Sascha Lobo macht nur Propaganda.

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