„Mit offenen Karten“ – Arte verbreitet Propaganda, Hetze und Fakenews

„Mit offenen Karten“ versucht zu verschiedenen Sachverhalten gut aufbereitet in nicht viel mehr alt 10 Minuten ein historisches, politisches oder Umweltproblem aufzuarbeiten. Das gelang in der Vergangenheit zum Teil recht gut und die Sendung hatte zurecht ihre Fans. Der neueste Teil der Reihe ist jedoch reine Propaganda, wie sie ekliger nicht sein könnte. Sie baut sogar noch auf einer Reihe von Fakenews auf. Mit dieser Meinung bin ich auch nicht alleine, da die Kommentare bei Youtube schon Bände sprechen. Am besten gefiel mir der Kommentar, man müsse NATO-Dauerwerbesendung einblenden.

Ich habe die zwölf Minuten analysiert und kommentiere jeweils die krassesten Propagandamittel und Lügen, die in diesem Beitrag vorkommen:

Zuerst wird berichtet, Schweden sei für seine Neutralität bekannt, aber nun gäbe es wieder 300 Soldaten auf Gotland. Die Schuld trägt der unberechenbare Nachbar Russland und explizit Vladimir Putin, der die Krim annektiert habe. Diesen unberechenbaren Nachbarn beschuldigt man, immer wieder in schwedische Hoheitsgewässer einzudringen.

  • Die Unberechenbarkeit Russlands wird als ein Fakt dargestellt.
  • Die Sezession der Krim mit Volksabstimmung wird als Annexion bezeichnet, obwohl dies keine Annexion war. Es war ein von westlicher Seite finanzierter Maidan vorausgegangen, der der demokratisch gewählten Studenten gestürzt hatte. Auf die Androhung ukrainischer Nazis auf der Krim für Ordnung zu sorgen und den Vorschlag Russisch als Sprache in den Schulen zu verbieten, spaltete sich die Krim ab. Russland sorgte dafür, dass dies unblutig und ohne Opfer geschah, nachdem man sich der Zustimmung der Bevölkerung versichert hatte (Vorabumfrage) die man dann in einer freien Wahl bestätigte. (Zu näheren Details gerne Daniele Ganser anschauen.)

Danach folgt eine historische Passage: Seit 1815  [also nach Napoleon] erklärte sich Schweden für neutral und gab seine Pläne auf, die Ostsee zu dominieren. Schweden kollaborierte ein bisschen mit den Nazis und blieb nach dem zweiten Weltkrieg neutral. Schweden und Finnland traten nicht der NATO bei und achteten darauf, ihren mächtigen Nachbarn (Russland wird in grellem Rot auf der Karte gezeigt) nicht zu verärgern.

  • Russland wird wieder einmal als unberechenbar dargestellt. Wie ein Kind, das man eben „nicht verärgern“ darf.

Immerhin wird dann erwähnt, dass Schweden trotz „Neutralität“ im Kalten Krieg mit dem Westen zusammenarbeitete. Es gab 25000 Soldaten auf Gotland und es entstand eine bedeutende Rüstungsindustrie. Man lernt weiter: Die Schwedische Militärmaschinerie entstand aus einer Jahrhundertealten Angst vor den Russen. Wörtlich dann: „Das ist heute nicht anders, wo Russland auf die internationale Bühne zurückkehrt und  Wladimir Putins Machtambitionen die Gespenster des Kalten Krieges wieder auferstehen lassen.“

  • Die Angst vor den Russen braucht es meistens nicht, damit Staaten ihr Militär aufrüsten. Es ist auch nie gesagt, wer wen angreifen will.
  • Die Gespenster des Kalten Krieges wurden auch nicht von Russland geweckt, wie ich weiter unten noch ausführe.

Die Sowjetunion und ihre Verbündeten kontrollierten [im Kalten Krieg] die Häfen der baltischen Staaten und jetzt hat Russland an Einfluss verloren und hat nur noch zwei Häfen. „So wurde aus dem einst sowjetischen Meer des Kalten Krieges nach und nach eine friedliche europäische See.“

Der Beitrag informiert weiter: 1995 traten Schweden und Finnland der EU bei. Die Europäische Union fühlte sich sicher, bis 2014 die Intervention Russlands in der Ostukraine und die Annexion der Krim erneut für Angst im Ostseeraum sorgten.

  • Kein Wort vom nuklearen Raketenabwehrschirm (bestehend aus atomaren Angriffssprengköpfen – also nicht auf das Wording hereinfallen), den man offiziell gegen den Iran aufbauen wollte.
  • Auch kein Wort von dem Krieg, den man mit Hilfe von Georgien im Jahr 2008 vom Zaun gebrochen hatte, aber sehr schnell scheiterte, weil die Russen Georgien schnell besetzen konnten und den Status-Quo wiederherstellten.
  • Natürlich wird die USA wie in jedem guten Propagandamachwerk dieser Art nicht einmal erwähnt, damit der eingelullte Zuschauer überhaupt nicht auf vernünftige Gedanken kommt. Maximal erwähnt man die NATO und die klingt schon viel mehr nach internationaler Gemeinschaft. Man kennt das aus „Dokumentationen“ über die Ukraine oder aus Berichten vom Krieg im Jemen und im mittleren Osten, wo man Saudi-Arabien, die Türkei und vor allem den Iran als unabhängige Player aufbläst, um westliche und US-Interessen komplett zu leugnen.

Wörtlich geht es weiter: „Gleich nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Oktober 2014 erinnerte ein unidentifiziertes Mini-U-Boot vor Stockholm die Schweden an das Trauma von 1981. Damals war ein sowjetisches U-Boot nur wenige Kilometer vor dem schwedischen Marinestützpunkt Karlskrona gestrandet.“

  • Hier wäre ein kleiner Hinweis doch ganz angebracht, dass es sich 2014 nicht um ein russisches U-Boot handelte! Der schwedische Verteidigungsminister sprach hinterher von einem deutschen U-Boot, nachdem unsere EU-Medien im Gleichklang über die russische Aggression spekuliert hatten. Wenn man so ein entscheidendes Detail nicht erwähnt, dann macht man doch wirklich alles, um den Titel Lügenpresse zu bekommen.Scrrenshot Verteidigungsminister DWN Schweden Uboot
  • Auch das Ereignis von 1981 erscheint nach der Dokumentation von Dirk Pohlmann „Die Operation Reagan“ in einem ganz anderen Licht. Es hatte für die Sowjets keinen Sinn, mit dem U-Boot in das flache Gewässer zu fahren. Nach Zeugenaussagen von damals war der Kommandant ein Kollaborateur, der das U-Boot dort extra aufgesetzt hatte.
  • Vor allem hat Herr Pohlmann in eben jener Dokumentation herausgefunden, dass es sich zu Zeiten des Kalten Krieges fast immer um italienische Mini-U-Boote handelte, die man gesichtet hatte. (Natürlich klärte sich das erst nach dem Kalten Krieg auf.) Sie tauchten dann auf, wenn es für die Propaganda und die Rechtfertigung des Militärhaushalts gebraucht wurde.
  • Die Dokumentation von Dirk Pohlmann ist sogar eine ARTE-Dokumentation. Sie wurde zunächst allerdings zensiert, denn sonst wäre sie zu der Zeit gelaufen, als die westlichen Medien noch über russische U-Boote fabulierte und dann hätte die Dokumentation an der Glaubhaftigkeit aktueller NATO-Propaganda gerüttelt. Das durfte nicht sein. Erst später wurde sie ausgestrahlt und natürlich nicht auf einem tollen Sendeplatz. Ich empfehle noch einmal ausdrücklich diese „Arte-Reportage“ von Dirk Pohlmann, die ich hier auch schon vorgestellt hatte. (Folgen Sie dem Link.) Da erfährt man auch, wie Schweden an der demokratischen Regierung vorbei in die NATO-Planungen eingebunden war und wieso Olof Palme dann ermordet wurde, der diesen Kurs nicht mittragen wollte und seinen eigenen Militärs nicht mehr vertraute.

„2016 installierte Russland Iskander-Raketen in Kalininingrad, die schwedisches Staatsgebiet erreichen könnten.“, informiert die Doku. Nur daraufhin habe Schweden wieder aufgerüstet.

  • Was vergessen wird zu erwähnen ist, dass Russland dies als Antwort auf den Vertragsbruch der westlichen Staaten machte, die zugesichert hatten, keine dauerhafte NATO-Truppenpräsenz in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu genehmigen. Dies hatte man gebrochen und in jedem baltischen Land 1000 Soldaten stationiert, die „rotieren“ sollten. Das bedeutet, dass die Soldaten immer mal wieder Urlaub machen dürfen und dann andere da sind. Ein absoluter Witz und ein Vertragsbruch. Die Antwort der Russen hingegen verletzte keinen Vertrag, da die Iskander-Raketen keine strategischen Waffen seien und unter 500 Kilometer Reichweite haben. (Quelle Sputnik)
  • Russland reagiert auf die Aufrüstung an seiner Grenze mit Abschreckung durch Langstreckenatomwaffen, die gegen die USA funktionieren und will sicher die Angriffslust der gegen Russland radikalisierten baltischen Staaten schwächen. Die Aggression ging nicht von Russland aus.

2018 gab es dann in Schweden eine große NATO-Übung. „Dabei wurde die Invasion durch Truppen einer ausländischen Großmacht simuliert. Auch wenn Russland nicht erwähnt wurde, war mit der Bedrohung natürlich Wladimir Putin gemeint.“

  • Man beachte wieder zunächst wieder die Personalisierung mit Putin.
  • Wie so eine Übung auf Russland wirkt, wurde natürlich nicht thematisiert.

„2011 hatte der Bau der Erdgaspipeline Nordstream zwischen der russischen Hafenstadt Wyborg und der Hansestadt Greifswald zu lautem Protest in Nordeuropa geführt. Offiziell aus Gründen des Umweltschutzes. Inzwischen ist es das Projekt Nordstream II, eine zweite Erdgaspipeline, gegen die man in Schweden und in den baltischen Staaten protestiert, denn auch diese machen sich Sorgen um den zunehmenden, russischen Einfluss. Dazu muss man wissen, dass diese Länder [baltische Länder] weiterhin sehr abhängig von ihrer ehemaligen Schutzmacht sind. Vor allem im Bereich der Stromversorgung.“

  • Sorgen??? Eine weitere Pipeline nach Deutschland gefährdet den Frieden absolut nicht und führt in diesen Ländern auch nicht zu Versorgungsengpässen.
  • Lächerlich ist besonders der Hinweis auf die Stromversorgung. Bei so wenigen Einwohnern wäre es ein Leichtes, ein weiteres Atomkraftwerk aufzustellen oder sonstige Kraftwerke zu bauen. Zudem wird kurz darauf erläutert, dass Lettland den Strombedarf so oder so alleine decken kann. Estland ist schon ans finnische Netz angeschlossen ist und Litauen ans polnische und schwedische Netz angebunden wurde. Wo sollen denn da die Lichter ausgehen?
  • Folglich geht es nur um Transiteinnahmen für Erdgas, die wegfallen und außerdem werden diese Länder vorgeschoben von den USA, die in der EU ihr Gas verkaufen wollen, was aber viel teurer ist und auch die Umwelt weit mehr belasten würde.

„Auch wenn die Angst in Schweden durchaus real ist, so ist sie in den baltischen Ländern natürlich noch viel größer.“

  • Alleine dieser Satz ist an Dummheit nicht mehr zu überbieten. Entweder es gibt eine Angst und dann gibt es eine Angst und die ist auch real, oder es gibt keine Angst und dann ist die Angst einfach nicht da. Die Betonung, dass die schwedische Angst real sei, soll wohl bedeuten: „Bitte glaubt uns, die gibt es wirklich, Ehrenwort, bitte!“ Eine andere Aussage wäre die, dass die Angst begründet ist, aber diese Lüge traut man sich nicht zu behaupten. Man will ja objektiv wirken.

Man erfährt weiter: Die Schweden haben auf Gotland ihre Truppen, weil sie nicht wollen, dass die Russen Gotland präventiv besetzen, wenn sie die baltischen Länder angreifen sollten. Für die EU ist das auch gut, da sie dann schnell Truppen verlegen könne, falls Russland einen baltischen Staat wie die Krim annektiert. Die Schweden „sorgen“ sich also nicht so sehr um sich, sondern um eine Annexion der baltischen Schwestern.

  • Die guten machen sich immer Sorgen und warnen. Die Bösen sind irrational und drohen. Typischer Propagandasprech.
  • Das Wort Schwestern klingt wirklich nett. Und wenn man sich dann auch noch Sorgen um die macht. So ein Verhalten ist natürlich super.

Und letztendlich ermöglicht die russische Bedrohung Schweden auch als strategisches Bollwerk in Nordeuropa zu fungieren.

  • Das freut dann maximal die Rüstungsindustrie. Die normalen Schweden haben auf diese Politik auch keine Lust. Das war damals mit Olof Palme nicht anders.

„Experten zufolge ist ein direkter Einmarsch russischer Streitkräfte in eins der baltischen Länder zurzeit nicht zu erwarten. Umso mehr als die NATO in jedem der Länder jeweils ein eintausend Mann starkes Bataillon stationiert hat. Die Gefahr einer Eskalation wäre zu groß.“

  • Geschickt legitimiert man nebenbei die illegale Präsenz der NATO-Truppen in den baltischen Staaten, wodurch man die vorherigen internationalen Verträge bricht.

„Die baltischen Staaten befürchten eher sogenannte hybride Kriegsmethoden. Russland könnte interne Konflikte schüren, indem es Rebellengruppen finanziert oder aber traditionelle Infrastrukturen oder Regierungsplattformen mit Cyberangriffen gefährdet. Die NATO, ebenso wie die Europäische Union, nehmen diese neue Art der Kriegsführung sehr ernst und investieren bedeutende Summen, um die Widerstandsfähigkeit ihrer Mitgliedsstaaten zu verbessern.“

  • Noch einmal als Klartext: Russland ist 48-mal so groß wie Deutschland und sitzt auf unglaublich großen Ressourcen. Ein Angriffskrieg gegen die NATO macht keinen Sinn. Die Militärausgaben haben sie zuletzt sogar reduziert. Mit 145 Millionen Einwohnern und einer nicht sehr hohen Geburtenraten haben sie keinerlei Interessen einen Konflikt mit der NATO vom Zaun zu brechen.
  • Die angeblichen Cyberangriffe Russlands sind ein Witz. Die ganzen großen Tech-Unternehmen arbeiten direkt mit den Geheimdiensten zusammen, mit den US-Geheimdiensten wohlgemerkt. Die hybride Kriegsführung ist in erster Linie ein Mittel des Westens. Der wichtigste westliche Thinktank „Atlantic Council“ hat für Polen sogar in einem Strategiepapier empfohlen, dass sie sich das Recht von hybriden Präventivangriffen herausnehmen sollten. Darüber berichteten die Deutschen Wirtschaftnachrichten, aber man kann das auch direkt beim Atlantic Council nachlesen. Hier ein Sreenshot der Passage:

atlanticcouncilpolen

Fazit: Man will die Hoffnung nicht aufgeben und auch bei Arte sitzen vielleicht noch ein paar ehrenwerte Dokumentarfilmer, die auch unbequeme Sachen bringen. Die Redaktion von „Mit offenen Karten“ gehört sicher nicht dazu. Diese Propaganda, insbesondere wieder mit dem Bezug auf die U-Boote, hat mich so verärgert, dass ich dazu diesen langen Text geschrieben habe. Solche Propaganda darf nicht unwidersprochen bleiben, auch wenn es ein Kampf gegen die Windmühlen zu sein scheint.

 

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