Stuttgart 21, die Bahn und die Wutbürger bei „Die Anstalt“.

Die letzte Folge der Satiresendung „Die Anstalt“ vom 29.1.19 hatte es in sich. Nun könnte man denken, das Thema Stuttgart 21 sei langsam genug besprochen, doch die Ansammlung von wohldokumentiertem Wahnsinn muss zu der Frage führen, ob die Planer von Stuttgart 21 nicht sogar im Auftrag der Automobilindustrie die Bahn als unliebsamen Konkurrenten durch Sabotage heraus schwächen wollen.

Die Konstruktion von Stuttgart 21 mit einem nicht ebenen Bahnsteig (2% Neigung), der wegen diesem Gefälle offiziell nur eine Haltestelle sein darf, und dem Tunnel vor der Bahnhof, bei dem wegen des besonderen Bodens und der verengten Tunnelröhre im Falle eines Unfalls nur 90 cm als Fluchtweg verbleiben, zeigt eindeutig, dass die Planer von Stuttgart 21 auch über Leichen gehen oder davon ausgehen, dass später für viel Geld doch immer noch eine teurere Lösung gefunden wird. Die direkte Planung als Milliardengrab, an dem man sich bereichern kann, ist noch die harmlosere Interpretation.

Auf jeden Fall hat die Anstalt gezeigt, dass es auch heute absolut notwendig wäre, Stuttgart 21 zu stoppen, und einen guten Kopfbahnhof zu errichten, bzw. zu erhalten.

Besonders bitter für das Bild unserer Demokratie wird das alles, wenn man bedenkt, wie unsere Medien allesamt über längere Zeit das klischeehafte Bild des verbitterten, fortschrittfeindlichen, alten Wutbürgers beschworen haben. Heute würde man Stuttgart 21 nicht mehr so bauen, sagen jedoch sogar aktuell Verantwortliche. Dann bräuchte es doch auch mal eine Entschuldigung von Seiten der Medien! Die angeblichen Wutbürger waren viel vernünftiger und rationaler als die karrieregeilen, größenwahnsinnigen oder auch korrupten Entscheider des Projekts. Wikipedia liefert beim Artikel Wutbürger ein vortreffliches Bild, welche undemokratische Menschenverachtung dem Wort beiwohnt, das von unseren Medien so inflationär gebraucht wurde und gebracht wird. Hier ein paar Ausschnitte:

Der Begriff Wutbürger wurde in den Duden aufgenommen, der ihn als „Zeitungsjargon“ für einen „aus Enttäuschung über bestimmte politische Entscheidungen sehr heftig öffentlich protestierende[n] und demonstrierende[n] Bürger“ definiert.

Dem sogenannten „Wutbürger“ wurden in einigen Medien negative Eigenschaften zugeschrieben, zum Beispiel „renitent“, „egoistisch“ und „spießbürgerlich“.

Der Philosoph Ralf Konersmann mahnte in einem Debattenbeitrag an, dass „Zorn und Groll“ über ‚die da oben‘ das politische Augenmaß nicht ersetzen könne: Im „wutbürgerlichen Weltbild“ herrsche eine klare Hierarchie zwischen denen oben und den „Gerechten hier unten, die nicht die Macht, dafür aber die Moral auf ihrer Seite wissen.“ Er bezeichnete die „neue, postkritische Wut“ als „Fanatismus der Saturierten“. Sie sei „rechthaberisch, starrsinnig, selbstgerecht, hysterisch“.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk schlug der Soziologe Heinz Bude vor, den Begriff Wutbürger durch Hassbürger zu ersetzen; er sei dem „Verbitterungsmilieu“ zuzurechnen. Budes Anregung wurde von Journalisten zustimmend aufgegriffen. Kritiker sehen darin den unzulässigen Versuch der Eliten, diejenigen Bürger, deren Ansichten von dem durch den politisch-medialen Mainstream für zulässig erachteten Meinungsspektrum abweichen, als psychisch Erkrankte zu pathologisieren und stigmatisieren, die psychologisch und medikamentös therapiebedürftig seien (Verbitterungsstörung), mit deren Meinungen man sich inhaltlich aber nicht ernsthaft auseinandersetzen wolle.

So,  jetzt empfehle ich, sich die ganze Sendung anzuschauen. Auf der Seite vom ZDF kann man sich die Sendung noch das ganze Jahr anschauen und herunterladen: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-29-januar-2019-100.html Erfährungsgemäß kommen die ganzen Folgen aber meistens irgendwann auf Youtube. Dort habe ich bisher nur einen kurzen Ausschnitt gefunden, der zwar sicher sehr interessant ist, aber ich empfehle trotzdem, die ganze Sendung zu schauen.

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