Westlicher Kapitalismus versus Chinesischer Kapitalismus – ein Vortrag von Werner Rügermer

Auf den nachdenkseiten wurde ein interessanter Artikel zu einem Vortrag von Werner Rügemer veröffentlicht, den man dort gerne komplett durchlesen kann.  Empfehlenswert ist auch der Originalvortrag von Werner Rügemer, den man als Podcast anhören kann.  Er dauert etwas über dreißig Minuten.

Als besonders interessant und aufschlussreich empfand ich die Begründung, wieso die USA die hierarchische Spitze des westlichen Kapitalismus anführt:

„Jedes globale kapitalistische System ist hierarchisch geordnet. Im westlichen Kapitalismus führen die USA. In der Ebene darunter führt die Bundesrepublik die anderen EU-Staaten, unter denen ebenfalls weitere Über- und Unterordnung herrscht.
Insgesamt aber: Das kapitalistische Eigentum von US-Berechtigten in 180 Staaten der Erde, mit Schwerpunkten in den USA und Westeuropa (dort insbesondere in Großbritannien und Deutschland), ist immer noch ungleich größer als jedes andere national zu verortende kapitalistische Privateigentum. Die größten Kapitalorganisatoren der neuen Generation, die mächtiger sind als die immer noch öffentlich im Fokus stehenden Banken, also Blackrock, Vanguard, State Street usw. sind in US-Hand. Auch bei den globalen Kapitalorganisatoren der zweiten Liga (Private Equity-Investoren, „Heuschrecken“) dominieren mit Blackstone, KKR, Carlyle u.ä. solche mit Hauptstandort USA. Ähnliches gilt für die zivilen Privatarmeen des US-Kapitalismus: Die Big Three der Rating-Agenturen (Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch), die Big Four der Wirtschaftsprüfungsunternehmen (Price Waterhouse Coopers, Ernst & Young, KPMG, Deloitte), die das globale Kapitalrecht beherrschenden US-Wirtschaftskanzleien (Freshfields, White & Case, Baker McKenzie…), die Big Ten der Unternehmensberater (McKinsey, Bain…), die Big Five der PR-Agenturen ( Hill & Knowlton, Marsteller…), die Presseagenturen, die populistische und populäre Massen-Kultur.“

Ein paar Gründe für die Krise in Katalonien

Ernst Wolff, der Auto der Bücher „Weltmacht IWF“ und „Finanztsunami“ äußert sich in diesem kurzen Video zur politischen Krise in Katalonien. Als Nutznießer des Konflikts macht er die Finanzindustrie aus, von deren Machenschaften wunderbar abgelenkt wird.

Herr Wolff sagt, dass kaum ein anderes Land so vom Finanzsektor geplündert wurde wie Spanien. Die sozialen Gegensätze seien wegen dem Bankensektor explodiert. Spanien hatte 2001 die Investitionsbedingungen gelockert und es wurde 400000 Wohnungen gebaut. 2008 kam es dann zum Platzen der Blase und die Eurokrise begann. Daraufhin beschloss die Troika aus EZB, EU und IWF ein Spardiktat. Den Protesten gegen die Austerität wurde in Spanien gewaltsam begegnet.

Bankia wurde mit 22,4 Milliarden vom spanischen Staat gerettet. Die „Banco Santander“ hat ich Immobilienportfolio zu einem Drittel des Buchwerts an „Blackrock“ vekauft. Aktuell ist die „Banco Popular Espanol“ ein Thema, bei der es zu einem Bail-In kam. Aktionäre und Anleger wurden enteignet und das Institut wurde für einen Euro an die „Banco Santander“ verkauft.

Aktuell klagen ein paar größere Anleger, die sich diese Enteignung durch den Bail-In nicht gefallen lassen wollen und es soll zu teuren Klagen kommen. Dies würde die Machenschaften der Finanzindustrie in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ziehen, weshalb die Konflikte um die Separation Kataloniens dieser Finanzindustrie als Ablenkung sehr gelegen kommen.

Ich halte diese Fakten, die Ernst Wolff hier anspricht, für skandalös. Spanien galt in der Eurokrise als Krisenland. In Deutschland wurde auch gerne mit dem Stereotyp „faule Südländer“ argumentiert, die „ über ihre Verhältnisse gelebt hätten“. Natürlich war der Boom in Spanien, wie in so vielen anderen Ländern auch, durch eine hohe Kreditvergabe ausgelöst worden. Spanien hatte jedoch vor der Krise einen Schuldenstand gemessen am BIP, der als unbedenklich galt. Im Jahr 2007 lag die Staatsverschuldung bei 36 % des BIP. Im Jahr 2016 lag sie bei 99% des BIP.

Aktuell liegt die Arbeitslosigkeit in Spanien bei 18% und die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei über 40%. Viele Spanier verlassen ihr Land in der Hoffnung auf bessere Perspektiven im Ausland. Während der Krise sprach man schon von einer „verlorenen Generation“ (generación perdida) und es gibt aktuell als Protestform „Märsche der Würde“ von denen, „die keine Würde mehr haben“ (indignados). 2011 gab es die Occupy-Bewegung in Spanien vor allem in Madrid an der Plaza de Sol. Zudem gab (/gibt) es immer wieder im spanischen Fernsehen Berichte von Familien und Nachbarschaftsgemeinschaften, die sich aktiv gegen Zwangsräumungen wehrten.

Alles in allem ist Spanien noch immer ein schönes Land, in dem jedoch viele Menschen keine Hoffnung mehr auf ein wirtschaftliches Auskommen sehen. Ein Hartz-IV-System gibt es nicht und viele Spanier um die dreißig sind noch immer abhängig von ihren Eltern und wohnen auch (wieder) bei den Eltern.

Der Separatismus in Katalonien ist teilweise historisch zu begründen, doch seine aktuelle Blüte hätte er niemals in einem funktionierenden Land erreichen können, in dem es Zukunftsperspektiven für alle gibt. So jedoch hofft Katalonien als reiche Industrieregion auf eine bessere Zukunft, ohne Restspanien und die spanischen Schulden.

In eigener Sache

Neulich habe ich einen Kommentar gefunden, dass es furchtbar sei, wenn man nicht wüsste, wer diese Seite betreibt. Ich denke das nicht und habe bewusst auf die Angabe meines Namens verzichtet. Dies ist rechtlich unbedenklich, da ich hier privat Beiträge schreibe und auch kein Nachrichtenportal betreibe. Ich poste nämlich nicht regelmäßig, sondern immer dann, wenn ich dazu Lust habe. Dies bedeutet auch, dass ich gelegentlich mehrere Monate nichts poste, da ich auch noch arbeite und gelegentlich andere Prioritäten setze. Meine Seite hat auch nicht unheimlich viele Besucher. Daher reagiere ich auf Kommentare auch nicht immer zeitnah, aber ich lese alle Kommentare an mich. Bisher ist das quantitativ absolut kein Problem. Zudem schalte ich konstruktive Kommentare auch gerne online und beziehe dazu noch einmal Stellung.

Der eigentliche Grund für die Anonymität ist jedoch meine Hoffnung, niemals berufliche Nachteile durch meine Seite zu erfahren. Obwohl ich zu meiner Meinung stehen kann, gibt es viele Menschen, die so sehr der Mainstream-Propaganda verfangen sind, dass sie auch auf wohlbegründeten und konstruktiven Widerspruch mit einer aggressiven Abwehrhaltung reagieren. Außerdem bin ich mir dessen bewusst, dass bei Anfeindungen jedes Wort aus dem Kontext gerissen werden und gegen mich verwendet werden kann.

Armin Laschet: „Die DDR hat die Köpfe der Menschen nachhaltig zerstört.“

Der neue Ministerpräsident von NRW hat in der Sendung Hart aber Fair ein tolles Menschenverständnis offenbart. Für ihn müssen Ostdeutsche alle auf die Couch. Man erinnert sich daran wie Herr Gauck sagt, nicht die Eliten, sondern die Bevölkerungen seien das Problem. Armin Laschet sieht das Problem vorwiegend in der DDR.

Die Aussagen von Armin Laschet findet man in diesem Video an der Stelle (8 Minuten 41 Sekunden). Das Video selber ist nicht zu empfehlen. Diese Version ist auch schon eine Zusammenfassung, die größtenteils die Aussagen eines AfD Mitglieds enthält und eben die Kernaussagen anderer Gäste. Leider gibt es das Video bei -Youtube aktuell nicht nur mit dem interessanten Ausschnitt.

… und scheinbar ist das, was als Kommunismus vertreten worden ist, was die Völkerfreundschaft jeden Tag im Mund führte, ein System gewesen, das das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen eher behindert hat. Und dass wir jetzt langsam merken, die DDR hat viel mehr angerichtet als der Kommunismus, das Land zu zerstören, und es hat auch die Köpfe der Menschen so nachhaltig zerstört, dass Sie es heute dort erleben, dass Sie es in Tschechien erleben, dass Sie es in Ungarn erleben, dass sie es komischerweise – (Unterbrechung durch andere Frau) – Bei uns im Westen gibt es auch Neonazis, auch sehr gewalttätige Neonazis, aber dass ganze Landstriche nicht gelernt haben, dass man Respekt hat vor anderen Menschen, dass zwölf- oder dreizehnjährige Kinder, fünfjährige Kinder nur weil sie anders aussehen beschimpfen, da ist vierzig, fünfzig Jahre was grundlegend schief gelaufen. Dieses Erziehungsdefizit haben sie heute in den Neuen Bundesländern.

Abgesehen von der extremen Geschichtsverzerrung ist dasMenschenbild von Herrn Laschet furchtbar. In den sozialistischen Staaten gab es untereinander keine Kriege und auch auf imperiale Eroberungskriege wurde verzichtet. Der Nationalismus in Yugoslawien beispielswiese brach erst nach dem Zusammenbruch des Ostblocks aus und mit freundlicher westlicher Unterstützung. Auch jetzt zundelt man von westlicher Seite, dämonisiert alles Russische und fördert überall nationale Bewegungen.

Das größte Problem der Politik ist, dass viele Menschen in den neuen Bundesländern eben nicht so Obrigkeitshörig sind, weil sie schon einmal einen Systemwechsel erlebt haben.

Auch die schlimmsten Psychoexperimente werden großflächig in die Realität umgesetzt, wenn es dem Profit dient.

In unserem System haben große Konzerne psychologische Experimente wirtschaftlich nutzbar gemacht. Teile und herrsche funktioniert heute sehr gut. Das Ausspielen von verschiedenen Gruppen funktioniert nicht nur innerhalb der Gesellschaft (prekär Beschäftige, Arbeitslose, Flüchtlinge, Selbstständige, Renter, Jugendliche, …), sondern es funktioniert sogar innerhalb von einer Firma. Dort wird mit allen Mitten der Kunst eine Klassengesallschaft in der Arbeiterschaft aufgebaut, der Konkurrenzdruck so erhöht und eine Entsolidarisierung gefödert. Quasi das „Light-Modell“ des Experiments, in dem eine Gruppe willkürlich in Gefangene und Wärter eingeteilt wurde und die Wärter nach kurzer Zeit die Gefangenen sogar mishandelten. In der Realität bekommt die Gruppe der Festangestellten lediglich mehr Privilegien und es gibt auch keine Sonnenbrillen, die den Blickkontakt verhindern. Eine strikte Trennung und Entsolidarisierung findet trotzdem statt. Aufgezeigt wird diese Wahrheit mal wieder in der Sendung „Die Anstalt“, die teilweise auch einer politischen Agenda folgt, jedoch immer wieder mehr Fakten zu zentralen Themen liefert, wie alle möglichen Nachrichtensendungen auf ARD und ZDF zusammen.

Es ist an der Zeit, solche Arbeitsbedingungen, die kein Einzelfall sind, sondern inzwischen fast globale Regel bei den großen Konzernen, zu beenden.

Passend zum Thema gab es heute eine Meldung über TESLA bei Spiegel Online. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/tesla-arbeiter-berichten-von-ueblen-arbeitsbedingungen-a-1148397.html Dort sollen schon viele Arbeiter ohnmächtig zusammengebrochen sein. Ruft man sich in Erinnerung, wie heute Hartz-IV-Sanktionen ausgesprochen werden und wie die Menschen keine Chance haben, sich zu wehren, dann erinnern viele Arbeitsbedingungen in unseren so modernen Ländern eher an Sklaverei.

Gegen Vorurteile und Volksverhetzung